„Wie fühlt es sich eigentlich an, ein Organ von einem anderen Menschen in sich zu tragen?“

Glücklicherweise geht es mir in dieser Hinsicht wie jedem Anderen auch – solange ich keine Schmerzen habe, spüre ich auch keines meiner Organe besonders. Sie sind halt alle irgendwie da. Eines wie das andere. Meine Leber macht da keinen Unterschied.

Was ich manchmal habe, ist hier und da ein Zwicken unter der Haut. Das kommt von Verwachsungen der Narbe.

Verwachsungen entstehen bei der Heilung, es bilden sich Bindegewebsstränge an Stellen, wo vorher keine waren und die sind manchmal etwas zu kurz. Das merkt man, wenn man sich falsch oder zu schnell bewegt.

Es kommt (inzwischen sehr selten) vor, dass mich ein absolut widerliches Gefühl aus dem Nichts überkommt: als würde sich etwas in mir irgendwie umstülpen. Ich bezweifle stark, dass das überhaupt geht, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Dann muss ich ganz schnell den Rücken durchdrücken und mich überstrecken. Das Ganze hält meist nur ein paar Sekunden an, aber es ist das Unangenehmste, das ich kenne.  Keine Ahnung, ob es anderen Transplantierten auch so geht, bei mir ist es erst nach dem zweiten Eingriff aufgetreten. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur komisch.

Das sind dann die Momente, in denen mir durch den Kopf schießt: „Da ist was in dir drin, was sich grad gegen dich stellt. Und das nervt.“

Eigentlich sind es aber eher die Organe, die ich schon immer hatte, die sich bemerkbar machen: Meine Milz zum Beispiel ist eine riesige Diva. Und weil sie eben so ist, braucht sie viel Platz und fängt an aufzumucken, wenn ihr etwas im Weg ist. Dann braucht sie eine Wärmflasche und viel gutes Zureden, um sich wieder einzukriegen.

Mein Kopf ist auch manchmal zickig. Nach nur acht Stunden vor sämtlichen Bildschirmen, die ich besitze, bekommt er plötzlich Migräne. Oder wenn sich das Wetter ändert, aber das ist dann immerhin nicht meine Schuld.

Ansonsten denke ich eigentlich nicht weiter darüber nach, dass da etwas in mir ist, was mal Teil von einer anderen Person war. Das ist meine Leber, mein Herbert (ja, ich hab meine beiden Lebern nach den Transplantationen mit lustigen Namen versehen) und er gehört zu mir wie jeder andere Teil meines Körpers, vielleicht sogar noch mehr.


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