„Wie fühlt es sich eigentlich an, ein Organ von einem anderen Menschen in sich zu tragen?“

Glücklicherweise geht es mir in dieser Hinsicht wie jedem Anderen auch – solange ich keine Schmerzen habe, spüre ich auch keines meiner Organe besonders. Sie sind halt alle irgendwie da. Eines wie das andere. Meine Leber macht da keinen Unterschied.

Was ich manchmal habe, ist hier und da ein Zwicken unter der Haut. Das kommt von Verwachsungen der Narbe.

Verwachsungen entstehen bei der Heilung, es bilden sich Bindegewebsstränge an Stellen, wo vorher keine waren und die sind manchmal etwas zu kurz. Das merkt man, wenn man sich falsch oder zu schnell bewegt.

Es kommt vor, dass mich ein absolut widerliches Gefühl aus dem Nichts überkommt: als würde sich ein Organ irgendwie umstülpen. Ich bezweifle stark, dass das geht, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Dann muss ich ganz schnell den Rücken durchdrücken und mich überstrecken. Das Ganze hält meist nur ein paar Sekunden an, aber es ist das Unangenehmste, das ich kenne.  Keine Ahnung, ob es anderen Transplantierten auch so geht, aber bei mir ist es erst nach dem zweiten Eingriff aufgetreten.

Das sind die Momente, in denen mir durch den Kopf schießt: „Da ist was in dir drin, was sich grad gegen dich stellt. Und das nervt.“

Ansonsten denke ich eigentlich nicht darüber nach. Das ist meine Leber, mein Herbert (ich hab meine Lebern nach den Transplantationen getauft) und er gehört zu mir wie jeder andere Teil meines Körpers, vielleicht sogar mehr.