„Wie gehst du mit der Diagnose um, dass du nicht unbedingt sehr alt werden wirst?“

 

Die Angst, dass ich noch einmal transplantiert werden muss ist allgegenwärtig und nicht unbegründet.

Meine erste Abstoßung hatte ich nach 4 Wochen. Das war keine sehr ermutigende Prognose, noch dazu, weil ich die Leber nach nur drei Jahren verloren habe,
Dass ich damals einen neuen Spender gefunden habe war großes Glück und ich bin meinem Onkel unendlich dankbar dafür.

Die Chance, noch einmal so viel Glück zu haben, liegt so ziemlich bei null. Das heißt, wenn es wieder zum Organverlust kommen sollte, sind meine Überlebenschancen ziemlich gering. Das ist ein Fakt, den ich akzeptieren muss, so hart das auch ist.

Der Satz „live fast – die young“ ist also quasi zwangsläufig mein Lebensmotto. Wann immer möglich verreise ich, gehe mit Freunden weg oder fahre zu Konzerten. Dabei steht mein Studium dann im Hintergrund. Was bringt mir ein Einserabschluss, wenn ich nach dem Studium vielleicht nicht in der Lage bin, mein leben so zu gestalten, wie ich will?

Deswegen versuche ich so viel wie möglich zu erleben, ohne mich dabei zu überlasten. In diesem Jahr war ich bisher in England, Frankreich und Amerika. Dazu kommt ein Festival im September, Konzerte in Oktober und November und Wochenendtrips, wann immer es geht.

Außerdem ist das die beste Ablenkung, um nicht mehr als nötig über alles nachzudenken. Wenn ich ein paar Tage wirklich krank bin oder plötzlich irgendwas mit meiner Leber sein könnte, habe ich sofort Panik, einfach, weil ich weiß, wie schnell es gehen kann. Das ist echt belastend.

Aber sonst versuche ich mich nicht davon einschränken zu lassen, auch nicht, was meine Zukunftsplanung angeht. Wieso mir jetzt den Kopf zerbrechen, über Dinge, die vielleicht nie passieren. Immerhin hab ich dank meines chaotischen Lebens ganz andere Dinge, die sehr viel wichtiger sind.

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