500 Euro für Drogen im Monat

Blick in meine Privatapotheke gefällig?

Siehe da, Tabletten, Salben, Tropfen, Sprays und ähh.. Hustenbonbons. Fehlen eigentlich noch Spritze, Löffel und Feuerzeug.

Zu meiner täglichen Drohung gehören: Immunsupressiva, Cortison und ein Medikament, welches den Gallefluss unterstützt. An sich gar nicht so viel, kostet aber eine Menge. Allein die Immunsupressiva kosten circa 1300€ für 100 Tabletten. Jetzt wisst ihr, wofür eine gesetzliche Krankenversicherung gut ist. Als Transplantierte gelte ich als chronisch krank, weil ich schon länger als ein Jahr lang wegen der gleichen Krankheit alle drei Monate in Behandlung bin was für eine Definition…). Deswegen beträgt meine Beteiligung an den Medikamenten „nur“ 1% des Jahreseinkommens, in meinem Fall noch das Einkommens meiner Mutter. Das Gleiche gilt bei einer Schwerbehinderung, was auf mich auch zutrifft (Aber nein, ich darf nicht auf den Behindertenparkplätzen parken, ich kann immerhin normal laufen…). Trotzdem ein merkwürdiges Gefühl, sich vor Augen zu halten, wie viel Geld man da so tagtäglich schluckt. Das Geld ist aber nicht mal das, was mir dabei durch den Kopf geht. Allein der Beipackzettel der Immunsuppressiva ist der Hammer.

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Nebenwirkungen sind zum Beispiel Schlafstörungen, Depressionen, Verwirrtheit und Zittern bis hin zu Blindheit, Multiorganversagen, Halluzinationen, Geistesstörungen und Koma. Und die zählen alle noch unter sehr häufig bis gelegentlich, sprich 1 zu 100 oder noch öfter.

Die ersten vier Erscheinungen sind Symptome, die ich an mir selbst bemerke, die anderem zum Glück bis jetzt noch nicht. Aber ab und zu frage ich mich schon: Ob mir das nicht sogar mehr schadet als nutzt?

Lange Zeit hat sich die Medizin mit diesem Thema gar nicht beschäftigt. Man war der Meinung, dass die Nebenwirkungen im Vergleich zu dem Gewinn eines neuen Organs eine Einschränkung sind, die man als Transplantierter einfach hinnehmen muss. „Eingeschränkte Lebensqualität“, wie es so schön heißt. Inzwischen ist diese Sichtweise zum Glück im Wandel, wie ich im Gespräch mit meinem behandelnden Professor herausgefunden habe. Soweit es der Rahmen ermöglicht, kann die Dosis individuell variiert werden. In diesem Sinne ist es also gar keine präzise Wissenschaft, sondern zum Teil geht es auch nur durch Ausprobieren.

Im Moment fühle ich mich mit meinen Medikamenten ziemlich stabil eingestellt und komme auch mit den Nebenwirkungen halbwegs zurecht. Sollte sich das einmal ändern, weiß ich zumindest, dass ich in guten Händen bin.