Warum redet niemand über Transplantation

Wenn ihr mal eine Gesprächspause wollt: „Ich bin Lebertransplantiert.“ bringt euch unter Garantie ein paar Sekunden betretenes Schweigen. Wenn ihr es nicht zufällig mit einem (zukünftigen) Mediziner zu tun habt, weiß euer Gegenüber dann meist nicht, was er sagen soll.

Besonders gut kommt das nach der Frage, wieso man denn nichts trinken will und so ein Spielverderber ist. Nach der Erklärung haben sich meist solche Fragen dann übrigens auch erledigt. Obwohl ich tatsächlich einmal die Antwort bekam, dass mein Gegenüber das ja nicht könnte und mir einen mitleidigen Blick zuwarf. Ja, sorry? Mir ist mein restliches Leben dann doch wichtiger als ein Kater am nächsten Morgen. Aber viel schlimmer finde ich sogar die Frage, wieso ich das nicht früher erzählt habe. Normalerweise stelle ich mich nicht mit dem Satz vor: „Hey, ich bin Rebecca und lebertransplantiert. Willst du die Fotos sehen?“ Vielleicht sollte ich mir Visitenkarten damit drucken lassen.

Mir fällt grad auf, wie zynisch mich das alles macht…

Der Grund ist, dass die Reaktion so oft Verlegenheit ist. Wenn so viele nicht wissen, was sie sagen sollen, zeigt das doch, wie wenig präsent das Thema ist. Für meine Freunde ist es ganz normal, dass ich transplantiert bin. Die meisten vergessen es sogar regelmäßig und bieten mir dann ganz selbstverständlich ein Bier an. Im nächsten Moment entschuldigen sie sich und ärgern sich dabei über sich selbst. Aber das stört mich absolut nicht. Lieber so, als würden sie mich anders behandeln. Sie wissen, dass ich durch die Transplantation nicht eingeschränkt bin. Wenn ich zu einem Kontrolltermin in meine Klinik fahre, fragen sie nach den Ergebnissen und ob alles okay ist oder wie es weitergeht. Auch sie mussten lernen, damit umzugehen und was es bedeutet, mit einem fremden Organ zu leben. Aber sie hatten auch mich als Grund dafür.

Deswegen mache ich das hier. Das Thema ist zu wichtig, als dass sich nur jeder, der einen Betroffenen kennt damit beschäftigen sollte. Der Anfang dafür ist – was für eine Überraschung – darüber zu reden. Mich stört es auch nicht, wenn mir jemand eine persönliche Frage über meine Krankheitsgeschichte stellt (hey, immerhin stelle ich hier alles ins Internet), aber die meisten scheinen schon Berührungsängste allein mit dem Satz zu haben.

Darum hier die Bitte: Wenn ihr mit mir ins Gespräch kommt und ich die Transplantation erwähne: fragt ruhig nach.