Männergrippe

Am Sonntag kam mir ein Gedanke: „Hey, du warst aber lange nicht krank, bestimmt schon seit ein paar Wochen nicht, voll gut.“

Seit Montag bin ich erkältet.

Es fing ganz harmlos an, mein Hals kratzte irgendwie komisch, so dass bei mir ein kleines Alarmlämpchen im Kopf anging. Aber halb so wild, mein Seminar fiel eh aus und ich hatte noch Ingwer zu Hause. Also legte ich mich mit einer alten Serie ins Bett und trank viel Ingwertee mit Honig, wodurch ich schon manche Erkältung verjagen konnte, bevor sie richtig ausbrach. Also war Schonen angesagt, damit es nicht noch schlimmer wurde. Eigentlich kein schlechter Tag, einfach mal mit einer guten Entschuldigung die ganze Zeit gammeln und sich selbst ein bisschen bemitleiden. 

Als ich jedoch Dienstag mit einer verstopften Nase aufwachte, wurde mir eines klar: Der Ingwertee hatte versagt, das würde eine richtig hässliche Erkältung werden. Aber selbst für den Fall bin ich ausgerüstet: Nasenspray, Tigerbalsam und Taschentücher liegen für diesen Fall immer bereit. Ganz artig habe ich auch schön über einer Schüssel mit Menthol inhaliert, was meine Nasennebenhöhlen wenig beeindruckte. Dafür ist meine Haut jetzt porentief rein, also yeah!

Allerdings fühlte ich mich nun auch schon deutlich matschiger und immer nur im Bett zu liegen wurde auch langweilig. Wenigstens war ich nicht alleine, mein Kater kam zum kuscheln und lag den ganzen Tag neben mir. Dennoch hoffte ich, dass es mir am nächsten Tag besser gehen würde. 

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Mein Kater liegt auch da, aber natürlich nicht im Bild…

Das Aufwachen am Mittwoch war allerdings sehr hässlich. Ich hatte einen Kopf, der fast zu explodieren schien und bekam kaum Luft. Ich sehnte mich nach medizinischer Hilfe, einem Wundermittel, das einfach alle Symptome wegspülen würde oder zumindest einen verständnisvollen ärztlichen Rat. Doch alles, was ich von meinem Arzt nach Stunden im Wartezimmer bei einer Erkältung zu hören bekomme ist: „Ja nun, da müssen Sie ganz viel trinken, damit alles schön frei gespült wird.“

Wow. Danke für diese Weisheit.

Den besser inkompetentesten Arzt habe ich übrigens letztes Jahr in Taizé getroffen. Ich war auf der Krankenstation wegen schmerzender und geschwollener Augen durch meine damals noch unbekannte Milbenallergie. Er schaute mir in den Hals und sagte: „Ja, also aus meiner fachärztlichen Sicht sehe ich da jetzt keine Anzeichen für eine Erkältung.“ Also schickte er mich weg, mit den Worte, ich solle doch morgen wiederkommen, wenn es nicht besser ist.

Nach einer Transplantation ist es schwierig, medikamentös einzugreifen, wobei man das bei einer Erkältung generell nicht sollte. Der Körper wird damit in der Regel alleine fertig, wenn er genug Ruhe und Flüssigkeit bekommt. Allerdings habe ich nunmal ein unterdrücktes Immunsystem und da wird jede kleine Erkältung zu einer Herausforderung.  Es ist aber ein seltsames Gefühl, wenn man Tabletten schluckt, die das Immunsystem weiter unterdrücken, welches ja eigentlich die Erkältung beenden soll. Ein bisschen kommt es einem vor, als würde man den Bazillen dadurch ein Wohnzimmer einrichten und sagen: Bleibt doch bitte, solange ihr könnt. Durch den Kampf des geschwächten Immunsystems gegen den Infekt wird auch die Leber in Mitleidenschaft gezogen und die Leberwerte steigen rapide an. Ein Zustand, den man unbedingt vermeiden will. Deswegen muss man besonders Körperkontakt mit erkälteten Leuten vermeiden oder sich nach einem Händedruck sofort die Hände desinfizieren. Viele sind dadurch meist pikiert, doch lieber trete ich jemandem so auf die Füße, als in einer Tour krank zu sein. Als mein Freund vor ein paar Wochen krank war, habe ich ihn natürlich trotzdem besucht und mich um ihn gekümmert – mit einer Sofalänge Abstand zwischen uns.

So langsam trudelten auch Nachfragen meiner Kommilitonen ein. Es ist nichts ungewöhnliches, dass ich in der Uni fehle, aber nun hatte ich eine Pflichtveranstaltung verpasst und das war doch merkwürdig. Außerdem befinde ich mich gerade in der Prüfungszeit und habe dadurch viel vorzubereiten und zu lernen, was mir nun natürlich dadurch noch mehr im Nacken sitzt. 

Mittwoch kam im Laufe des Tages immer wieder der Punkt, an dem ich eine leise Todessehnsucht verspürte, damit wenigstens mein Kopf endlich besser werden würde. Ein Spaziergang an frischer Luft und Sonnenschein hat mir nur eines gebracht, einen verknacksten Fuß. Ich bin wirklich Fortunas Lieblingskind. Wenigstens bekam ich abends endlich das, was ich mir den ganzen Tag gewünscht habe. Das muss Liebe sein. So kann ich ja nur im Handumdrehen gesund werden.

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Die riechen total gut!

Ich habe mich geirrt.