Keine Nacht für Rebecca

Ihr erinnert euch an meinen letzten Besuch in der Uniklinik? Mit Hotel, Weihnachtsmarkt und Bar? Jetzt erzähl ich euch mal, wie das auch laufen kann.

Ich war Mittwochabend mit Freunden zum Kraftklub-Konzert. Ich hatte die Karte schon seit November und völlig verplant, dass ich am nächsten Morgen um acht Uhr im Behandlungsraum sitzen sollte. Wäre ich allein gewesen, hätte ich die Karte vielleicht verkauft, habe aber einem meiner liebsten Menschen eine Karte zu Weihnachten geschenkt. Das wäre dann ja ein tolles Geschenk gewesen. Ein Plan musste her:

Erst wollten wir zur Afterparty gehen und einfach bis morgens durchmachen, aber die Leute auf dem Konzert haben sich benommen wie die letzten Idioten. Ich wurde geschubst, mehrfach in den Rücken gestoßen und eine Polonaise von 40 Leuten zog an mir vorbei, um sich vor mich zu stellen. Wie rücksichtslos kann man bitte sein?! Zugegeben, durch meine minimale Größe sehe ich selten überhaupt etwas von der Bühne, aber ich war schon ziemlich angepisst und nach dem Konzert echt fertig, so dass wir wieder nach Hause gefahren sind.

Die Frage war nun, ob wir immer noch durchmachen wollten. Um 4.15 Uhr waren wir mit meiner Mutter verabredet, die mit mir in die Klinik fahren würde. Schließlich lagen wir gegen eins im Bett, bis um halb vier schon wieder der Wecker klingelte.

Wir kämpften uns aus dem Bett und ins kalte Auto, mit dem wir zur nächsten Autobahnraststätte fuhren. Es hatte etwas illegales, sich um diese Uhrzeit dort zu treffen, als wäre ich die freiwillige Geisel bei einer Übergabe. Müde und frierend verabschiedete ich mich und kletterte von einem ins andere Auto. Ich wollte nur noch eins: schlafen. Aber wie immer wurde das nichts und ich vegetierte auf dem Rücksitz herum. Schließlich schaffte ich es ein, zwei Stunden zu schlafen, bevor wir fluchend feststellen mussten, dass so ziemlich jede Straße um das Uniklinikum herum aufgerissen wurde, um dort zu bauen. Die Parkhäuser waren voll (und ließen uns wieder nicht raus), so dass wir schließlich auf einer Straße ein ganzes Stück entfernt standen und darauf warteten, einen Strafzettel zu kassieren.

Kurz darauf stolperten wir in eine Baustelle hinein, wo mir fast ein Metallstab ins Auge gebohrt wurde, weil der Aufseher zu sehr mit telefonieren beschäftigt war, um uns rechtzeitig Bescheid zu sagen. Auf sein zu spätes: „Das ist kein Durchgang.“, meinte ich nur: „Danke, ist uns inzwischen auch aufgefallen.“ Hätte er mal gleich seinen Job gemacht.

Schließlich hatten wir endlich die Anmeldung hinter uns gebracht und saßen im Wartezimmer. Ich war müde, hungrig und schlecht gelaunt. Nach der letzten Untersuchung hatte sich der Professor mit den Worten verabschiedet, ich solle mal lieber einen Koffer mitbringen, da ich wahrscheinlich stationär dableiben würde. Das war jetzt nicht so ideal, da ich noch einen Bericht für die Uni fertig stellen musste. Und überhaupt hatte ich wenig Lust dazu.

Ich wurde aufgerufen und sagte zu meiner Mutter noch, dass ich ja nach dem Blutabnehmen nochmal ins Wartezimmer käme, aber die Schwester meinte nur: „Nein, heute machen wir das alles mal zusammen, das geht schneller.“ Also führte sie mich in ein Behandlungszimmer, in dem ein junger Assistenzarzt wartete. Während sie mir Blut abnahm, fragte er, wie es mir ging… „Schmerzen, Fieber, Infekt? Oh, du hast Halsschmerzen? Aber keine Grippe oder? Nimmst du was dagegen?“ – „Nur Halsbonbons.“

Ab auf die Liege zum Ultraschall. „Arterie ist super zu sehen, keine Ahnung, was das letztes Mal war, da ist alles schön, die Werte fallen auch. Ich schreib dir einen Arztbrief, komm gut nach Hause.“

Überrascht, dass das so schnell ging und ich nicht bleiben musste?

Ich nicht. Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass es immer anders kommt, als man denkt und sich Ärzte prinzipiell nie einig sind. Über meine Gelassenheit war der Arzt erstaunt. Tja, ich hatte schon so ziemlich alles bei meinen Besuchen in der Klinik erlebt und wenn ich eins gelernt habe, dann ist es Ruhe bewahren und so flexibel wie möglich bleiben.

In diesem Sinne: Leipzig, ich komme bald wieder! (Aber erstmal muss ich dringend schlafen…)

Edit: Direkt nach dem Verlassen des Klinikums bekam ich Krämpfe im Bauch, die sich während der Fahrt so heftig entwickelten, dass sie sich mit einigen der schlimmsten Schmerzen messen konnten, die ich bis jetzt jemals hatte. Als wir zu Hause ankamen, hatte sich aber alles wieder beruhigt. Vermutlich hatte mein Körper auf den Stress reagiert, denn die nächsten Tage lag ich mit einer schicken Erkältung flach. Inzwischen bin ich aber wieder fit und auch zurück in Leipzig.