Gedanken zur Osternacht

Mein Leben kann ziemlich unplanbar sein. Letzte Woche war noch nicht klar, wo ich heute sein würde, in der Klinik oder zu Hause und mit einem Mal war schon Ostern.

Vor einem Jahr war ich zu dieser Zeit in Taizé,  und habe mich dort eine gesamte Woche spirituell auf das Fest vorbereitet. Dieses Jahr war es leider nicht möglich, da ich nicht wusste, wie lange ich in der Klinik bleiben würde.

Mein Ostern bestand vor allem daraus, es mir gemütlich zu machen und zu lesen. Um trotz allem in eine andächtige Stimmung zu kommen, bin ich frühmorgens in die Ostermesse. Alles, was ich davon mitgenommen habe, war Müdigkeit. Deswegen habe ich abends versucht zu Taizé-Gesängen aus dem Computer wenigstens ein wenig an das letzte Jahr anzuknüpfen und zu reflektieren. Wenn einige von euch schon einmal in Taizé waren werdet ihr wissen, dass es eine sehr einprägsame und tief schürfende Erfahrung ist. Bestimmt nimmt jeder etwas anderes von diesem Ort mit, für mich ist es eine Pause, ein Punkt, um innezuhalten und zu schauen, wo ich in meinem Leben stehe und wie es mir damit geht.

Und genau jetzt bräuchte ich das mal wieder. Der Alltag hält mich so gefangen, dass ich kaum zur Ruhe komme, Hausarbeit hier, Praktikum dort, zwischendurch immer unterwegs und zum Entspannen Netflix.

Dabei gibt es soviel, wofür ich im Moment dankbar bin, Wunden die geheilt sind, Stärke, die ich gewonnen habe. Noch vor einem Jahr in Taizé saß ich dort auf dem Boden der Kirche, erkältet und mit Bindehautentzündung, innerlich so aufgewühlt, dass ich die Tränen nicht aufhalten konnte. Ich hatte Groll in mir angestaut, Schmerz und Enttäuschung. Vor allem aber zweifelte ich an mir selbst. Ich wusste nicht mehr, was ich eigentlich wollte.

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Diese Zeit der Besinnung war nicht leicht, sie war anstrengend, sowohl emotional als auch physisch. Doch ich habe auch viel über mich gelernt:

Es ist wichtig, Abstand zu Menschen zu halten, die einem nicht gut tun. Es gibt kein vielleicht, es tut nur weh. Ein Schlussstrich gibt einem die Möglichkeit sich auf die Menschen zu besinnen, denen man am Herzen liegt. Menschen kommen und gehen, man kann sie weder festhalten noch anlocken. Aber wenn jemand bei dir bleiben will, wird er es auch.

Auch, wenn man eine Weile braucht, um herauszufinden, was man will, wenn man es weiß, darf man sich nicht dafür schämen. Wenn man das Ziel hat, sich voll und ganz auf die Karriere zu konzentrieren ist das genauso legitim wie der Traum nach einer Hollywood-Romanze. Wichtig, ist, dass man es sich eingesteht und mit sich selbst darüber im Reinen ist. Diese Ziele können sich immer wieder verschieben, doch um sie zu erreichen darf man sich selbst nicht im Weg stehen.

Veränderung ist ein unaufhaltsamer Teil des Lebens. Auch wenn es scheint, als könnte man nicht weiter machen, hört die Welt nicht auf sich zu drehen und das eigene Leben hält nicht an, man kann nicht raus aus seiner Haut. Irgendwann weicht jede Phase eines Lebens der nächsten, ob man will oder nicht. Wie sich ein neuer Lebensabschnitt gestaltet liegt zu einem großen Teil in der eigenen Hand.

Fortschritt ist eine gute Sache. Manchmal muss man sich einen Moment nehmen, um innezuhalten und zurückzublicken, sich über die Dinge klar werden, welche man erreicht oder überstanden hat. „Vergiss niemals den Moment, als du wolltest, was du jetzt hast.“

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Alles wird gut, doch nie wie es war.