Generation Praktikum

Praxissemester. Vom behüteten Seminarraum in den gnadenlosen Berufsalltag.

Und wo ist Rebecca gelandet? Natürlich im Krankenhaus. Man sollte meinen, dass ich in meinem Leben in so vielen Kliniken war, dass ich niemals freiwillig in einer weiteren arbeiten könnte. Dachte ich auch, aber geht. Will ich auch so.

Allerdings studiere ich ja auch nicht ohne Grund soziale Arbeit und nicht Medizin. Im Gegensatz zu meinem Freund habe ich keine Lust an wildfremden Menschen rumzuschnippeln. Deswegen arbeite ich nicht im OP sondern im Sozialdienst bzw. Entlassmanagement.

Inzwischen habe ich die erste Woche geschafft und verlaufe mich auch nur noch jedes zweite Mal. Ich erledige bereits verschiedene kleine Aufgaben und versuche mich in das Ganze System hineinzufinden. Denn eins habe ich schon an meinem ersten Tag gelernt: Das hier wird nicht leicht.

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Entlassmanagement bedeutet einfach gesagt, die Patienten auf das Verlassen des Krankenhauses vorzubereiten. Also sicher zu stellen, dass sie nicht alleine sind oder in eine weiterführende Maßnahme, wie eine Reha oder in die Pflege kommen. Dabei wird man von bürokratischen Aufwand, wie von einer Papierlawine überrollt. Sobald eine Sache abgehakt ist, kommt ein Anruf oder eine Komplikation dazwischen und es kann sein, dass man noch eine Sache zusätzlich machen muss, oder sogar ganz von vorne anfängt.

Einige Patienten wissen diesen Aufwand zu schätzen und sind sehr kooperativ oder haben selbst schon Vorstellungen, wie es weitergeht soll oder was sie brauchen werden. Das ist aber alles andere als die Regel. Es gibt Patienten, die sich fünfmal neu entscheiden, was sie wollen oder alles versuchen, um möglichst lange im Krankenhaus zu bleiben, aus Angst, zu Hause auf sich allein gestellt zu sein. Was zwar verständlich, aber wirtschaftlich natürlich nicht im Sinne des Krankenhauses ist. Die Aufgaben einer Sozialarbeiterin sind an dieser Stelle vielfältig. Natürlich will man den Patienten ihre Ängste nehmen und sie gut beraten, was für Möglichkeiten es gibt, allerdings sind einem durch rechtliche Bestimmungen auch oftmals die Hände gebunden.

Mit diesen Grenzen stößt man leider oft genug auf Unverständnis oder falsche Informationen. Um dennoch professionell arbeiten zu können braucht es Hintergrundwissen, das schier endlos scheint. Der Aufwand und die Umstände, die eine Krankenhausentlassung mit sich bringt, war mir nie so vollständig klar.

Das ist einer der Hauptgründe für meine Entscheidung für diese Praxisstelle. Ich kenne (einige) Möglichkeiten nach einer Behandlung aus Sicht des Patienten. Daher ist es für mich unendlich spannend, das Ganze aus der entgegengesetzten Perspektive zu sehen.