Bloggen übers Bloggen

Während der Wochen, in denen mein Blog still stand, konnte ich viel darüber reflektieren, was es für mich bedeutet, das hier zu machen. An ein Publikum zu schreiben, über meine Geschichte und mein Leben, mich selbst so in den Mittelpunkt zu stellen.

Manchmal denke ich: Das einzig Besondere an mir ist meine Geschichte, die ich durch einen Zufall der Natur habe, einen Fehler in meinen Genen. Gibt mir das das Recht, so narzisstisch zu sein? Aber dann sehe ich die Millionste Fashion&Lifestyle-Influencerin mit einem uninspirierten Post darüber, wie dieser Gemüsesaft ihr Leben verändert hat. Und damit verdient sie sogar Geld. Wahrscheinlich ist es auch dieses Geld, was ihr Leben verändert.

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Versteht mich nicht falsch, das hat nichts mit ihr zu tun und auch nicht damit, dass sie Influencerin ist. Sie ist sicher ein nettes Mädchen und dass ich sie hier als Beispiel ausgesucht habe, war schlichter Zufall. Jeder soll das machen können, was er möchte.

Es ist das System, welches mich so verwundert. Die Tatsache, dass man auf diese Art und Weise Geld machen kann und dass es offenbar so gut funktioniert, denn es werden ja tagtäglich mehr davon. Selbst ich wurde schon angesprochen, ob ich nicht für etwas ähnliches wie diesen Saft Werbung machen will. Ich wollte nicht.

Durch so etwas wird mir wieder deutlich, was mich wirklich unterscheidet. Ich habe eine Geschichte zu erzählen und eine Botschaft, die dahinter steckt. Ich mache das hier nicht für Geld oder Bekanntheit, sondern weil ich mich in gewisser Weise dazu berufen fühle, auch wenn das ein blödes Wort ist, um es zu beschreiben. Es gibt mir die Möglichkeit für diejenigen zu sprechen, die Ähnliches erfahren haben oder diejenigen zum zuhören zu bringen, die noch nie mit so etwas in Berührung gekommen sind. Ich versuche die Möglichkeiten darzustellen, sich so weit wie möglich in meine Lage zu versetzen, etwas, das ich mir viel früher schon gewünscht hätte. Wenn mir jemand in einer schwierigen Situation gesagt hat, dass er mich ja versteht, aber… habe ich denjenigen meist aufgefordert, mal für einen Tag wirklich mein Leben nachzuleben.

Das heißt nicht, dass es einfach ist, sich so weit zu öffnen. Es ist mir wichtig, hier so ehrlich wie möglich zu schreiben, weil es so leicht ist, sich im Internet besser darzustellen, als man ist und ich das vermeiden möchte. Trotzdem gibt es auch einen gewissen Druck im Zeitalter von Social Media, der Wunsch nach einem wachsenden Publikum und möglichst vielen positiven Reaktionen. Besonders, wenn man so viele andere „erfolgreiche“ Leute präsentiert bekommt. Es ist nicht immer leicht, diesen Aspekt auszublenden, aber wenn ich schreibe, versuche ich, mich nur auf mich und den Text zu konzentrieren, ohne daran zu denken, wie viele andere ihn möglicherweise lesen werden. Es hilft mir auch einen Bildschirm zwischen mir und dem „Publikum“ zu haben, dadurch ist es ein wenig wie Tagebuch schreiben und es fällt mir leichter, ehrlich zu sein.

Mein Leben war ein ständiges Auf und Ab. Es gab Höhen auf die ich sehr stolz sein kann, aber eben auch Tiefpunkte für die ich mich schäme, die immer noch weh tun oder mir vieles kaputt gemacht haben. Wenn immer möglich, habe ich versucht, diese Phasen zu verdrängen und mich auf das viele Positive zu konzentrieren. Durch den Prozess des Schreibens kommen viele Dinge wieder an die Oberfläche, über die ich lange nicht nachgedacht habe und jetzt wieder aufarbeiten muss.

Das ist unter anderem einer der Gründe, wieso ich eine Weile brauche, um einen neuen Beitrag fertig zu stellen. Einmal von der normalen Blogarbeit abgesehen. Eine Idee haben, diese ausarbeiten, den ersten Entwurf schreiben, passende Bilder raussuchen oder extra anfertigen (lassen), alles nochmal überarbeiten und dann wieder von vorn. Ich kontaktiere regelmäßig Leute, um mit ihnen zusammenzuarbeiten, oft genug erfolglos. Trotzdem versuche ich es immer und immer wieder, um voran zu kommen. Außerdem lese ich andere Blogs, um mich zu inspirieren und neue Anreize zu finden, lese, wie ich meine Arbeit verbessern und weiterentwickeln kann. Nebenbei noch die Uni und ab und zu ein bisschen Sozialleben. Man muss irgendwo Prioritäten setzen und die Ziele im Auge behalten, die man erreichen möchte. Es ist anstrengend und aufwendig und manchmal entmutigend, aber wenn von nur einer Person eine Rückmeldung kommt, dass es interessant ist, was ich mache, dass es hilft und zum Nachdenken anregt, ist es den ganzen Stress wert.

Ich bin weiter gekommen, als ich jemals dachte.

Und hab noch so viel vor.

Edit:

In der Zwischenzeit, seit dieser Beitrag entstanden ist, war einiges los, aber ich will nicht in dem fertigen Beitrag rum schreiben, deswegen hier ein kleiner Nachtrag.

Unerwarteter Weise gab es Kritik aus dem eigenen Lager, was meine Ansichten zum Thema Follower betrifft, ich „müsste mir mal überlegen, ob ich das für mich zur Aufarbeitung mache und um mir die Dinge von er Seele zu reden, oder um damit viele Follower anzuziehen“. Daraus wurde, leider leider, ein ziemliches Missverständnis, was mich allerdings auch zum Nachdenken gebracht hat. Der Punkt, den dieser Jemand zu machen versuchte, war eigentlich der, dass es immer Menschen geben wird, die sagen, dass ich mich daran hochziehe, dass Leute die Sachen lesen, die ich schreibe und mich deswegen toll finde, dass ich das alles nur mache, um mich überlegen zu fühlen. Sollen sie das halt denken. Solange die Menschen, die mir wichtig sind, wissen, wieso ich es tue, ist mir das egal.

Ich könnte natürlich auch alles einfach in Tagebücher schreiben, mit Bleistift oder Kuli Seite um Seite füllen und Buch für Buch in mein Regal stellen. Und eines Tages, wenn ich nicht mehr bin, wird all das Zeug verbrannt und vergessen. Ich weiß nur nicht, wer daran wirklich etwas gewinnen würde. Vielleicht ist es nicht ideal, das Internet als Medium für so etwas zu nutzen, aber es ist für mich das Naheliegende.

Das Phänomen Internet ist allerdings auch so eine Sache. Instagram ist eine tolle Plattform, um Leute zu erreichen oder Dinge zu teilen, die man mag, welcher mir auch sehr hilft, diesen Blog zu verbreiten. Es ist aber auch eine Plattform, die für jeden zugänglich ist, also muss man zum einen gut überlegen, was man teilt und zum anderen ein Auge darauf haben, was manch anderer verbreitet. In Punkt zwei hat Instagram, bzw. Facebook, wo die Plattform ja inzwischen dazugehört, bekanntlich einen großen Nachholbedarf. Ich möchte gar nicht auf das Ausnutzen von Daten hinaus, ich denke, dass das eine Gefahr war, die immer im Raum schwebte, mein Anliegen ist ein anderes.

Wie kann es sein, dass auf Instagram Seiten existieren, die Tod, Gewalt und Verstümmelung von Tieren und Kindern offen darstellen, bei dem die Beiträge nur ohne Vorschau dargestellt werden, mit dem Hinweis, dass es sich um sensible Inhalte handelt? Wenn unzählige Nutzer dieses Konto melden, bekommen sie lediglich die Nachricht, dass es sich nach Prüfung von Instagram um keinen Verstoß gegen ihre Community-Richtlinien verstößt. Gleiches übrigens bei Seiten, die Magersucht bei Jugendlichen anpreisen. Wenn allerdings in einem Foto ein einziger Nippel zu sehen ist, wird der Beitrag unter Garantie innerhalb von 5 Minuten gelöscht.

Da frage ich mich doch, was für Richtlinien das sein sollen.