Auf dem Sofa

Meinen Alltag heute könnte man als unaufregend durch-schnittlich betrachten. Oder als vollkommen außergewöhnlich. Das ist alles eine Frage der Betrachtung.

In vielerlei Hinsicht ist mein Leben heute nicht mehr so spannend, dass man darüber ständig etwas Neues erfahren will.  (Wie gut, dass ich mir ausgesucht habe, Bloggerin zu sein.) Ich lebe mit meinem Partner in einer mittelgroßen Wohnung, wir sitzen beide die größte Zeit des Tages vor dem Computer und verbringen die Abende mit Netflix auf dem Sofa.

Doch mein Alltag hält immer noch einige Tücken und Überraschungen für mich bereit. Es ist ein bisschen wie Glücksrad  spielen, bereits direkt nach dem Aufwachen:

Was wird mir heute wehtun? Der Rücken, der Bauch, stolpere ich mal wieder ach so elegant? Vielleicht habe ich mir aber auch schon im Schlaf wehgetan und mein Nacken ist mal wieder so beweglich wie der einer 80jährigen? Wer weiß das schon!

Doch auch, wenn ich gut aus dem Bett komme, was wird dann passieren? Wird meine übergroße Milz plötzlich anfangen zu sagen: „Hallohoo! Attention, attention, please! Ich bin grooß und brauche soo viel Platz, also gehen Sie bitte weiter, hier gibt es nichts zu sehen!“ und zack – liege ich mit einer Wärmflasche auf dem Bauch für den Rest des Tages auf dem Sofa, weil meine Milz eine riesige Diva ist und grundlos weh tut.

Oder mein Bauch entscheidet sich plötzlich: „Weißt du Rebecca, du hast heute schon eine ganze Tasse Tee getrunken. Reicht dann auch mal wieder. Ich hab keine Lust auf so viel Arbeit immer. Ich schließ mich jetzt Verdi an und beginne zu streiken. Viel Glück mit dem Aufstoßen und der Übelkeit!“ und zack – liege ich mit einer Wärmflasche auf dem Bauch für den Rest des Tages auf dem Sofa, weil mein Bauch eine riesige Diva ist und grundlos aufgebläht.

Oder es passiert nichts von den Dingen und ich bin einfach müde, weil meinem Körper zehn Stunden Schlaf am Tag nicht reichen und zack – versuche ich trotzdem was mit dem Tag anzufangen, denn irgendwann ist auch mal Schluss mit dem Sofa, das hält ja wirklich keiner aus.

Vor kurzem wurde ich gefragt, wie sich denn die Transplantation auf mein alltägliches Leben auswirkt. Ich hoffe, ich konnte einen kleinen Eindruck geben.

Aber genug mit der passiven Aggressivität (vielleicht liegt es ja daran, dass ich diesen Text nachts um eins schreibe, weil ich wegen meines aufgeblähten Bauches und der Übelkeit nicht schlafen kann, aber wer weiß das schon), denn ganz ehrlich? Ich würde es wieder tun. Immer und immer wieder. Ich würde es wieder tun. Ich will kein „gesundes“ Leben. Klar, wäre es einfacher. Aber nichts von Bedeutung ist leicht. Ich bin nur ich durch meine Erfahrungen. Und ich will nicht überheblich klingen, aber ich find mich schon ganz okay so wie ich bin.

Es ist vielleicht nicht das schönste Leben mit den häufigen Schmerzen, oder das aufregendste, mit vielen Tagen auf dem Sofa, aber es ist das glücklichste Leben, das ich mir vorstellen kann.

Ein Tag auf dem Sofa kann nämlich wirklich schön sein, wenn man eine Katze zum kuscheln hat, wenn man mit Tee und Wärmflasche umsorgt wird und spürt, wie sehr man geliebt wird.


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