Die Rebecca machen

Ein Ausdruck für: Immer, immer und immer wieder absagen.

Uni, Geigenstunden, Chorwochenenden, Abende mit Freunden. Nur, weil mein Terminkalender voll ist, heißt das nicht, dass mein Körper da auch mit macht.

Und es ist immer wieder schlimm, so viel zu verpassen.

Immer wieder Angst zu haben, dass man irgendwann nicht mehr eingeladen wird. Dass irgendwann niemand mehr fragt, ob ich auch kommen möchte, weil ich ja sowieso immer absage. Rebecca? Ach die hab ich ja auch schon ewig nicht mehr gesehen…

Ironischerweise hat meine Generation (GenerationY oder auch Millenials, wie die coolen Kids sagen) sogar einen eigenen Begriff dafür entwickelt: FOMO – the fear of missing out. Für mich klingt FOMO ein bisschen wie ein Ungeheuer aus einer alten Saga. Der Drache, den man erschlagen muss, um die wahre Liebe und ewiges Glück zu finden oder so.

Es wird immer wieder Situationen geben, in denen ich mir einfach eingestehen muss, dass es nicht geht. Was bringt es mir, einer Einladung zum Essen nachzugehen, wenn ich ohne Wärmflasche kaum das Bett verlassen kann? Wie viel Spaß macht eine Party, wenn man üble Migräne hat? Und ist es nicht auch schön, wenn man mal ausgeschlafen aufwacht?

Mies ist eigentlich nur, dass man ständig mitbekommt, was jeder Freitagabend macht. Die sozialen Medien explodieren dann förmlich von Sonnenuntergängen, Discolichtern und Absackern bei McDonalds um drei Uhr morgens. Ich sehe das alles Samstagmorgen, nach einem Abend mit Netflix und Nichtstun.

Und ich glaube, das ist der eigentliche Grund für das Entstehen von FOMO. Dadurch, dass jeder anscheinend ständig etwas unglaublich tolles macht, hat man selbst das Gefühl, nicht genug zu erleben. Nicht jeden Sonnenuntergang dokumentiere ich, in einem Club war ich seit Monaten nicht und von McDonalds mitten in der Nacht wird mir schlecht. Trotzdem bleibt das Gefühl, etwas im Leben zu verpassen.

Aber was tun gegen FOMO? Vielleicht lieber mit wenigen Freunden umringen, die auch nach der hundertsten Absage nicht böse werden, sondern nach Möglichkeiten suchen, trotzdem gemeinsam Zeit verbringen zu können, Hilfe anzunehmen und um Hilfe zu bitten, selbst wenn es schwer fällt, selbst wenn man das Gefühl hat, immer nur zu nehmen. Wenn man jemandem etwas bedeutet, weiß derjenige, worauf es wirklich ankommt.

Ich liebe es, aus der Stadt raus zu kommen und mich wirklich auszuruhen. Irgendwohin, wo es keinen Handyempfang gibt. Sonntags ein bisschen spazieren zu gehen und einfach mal eine Pause zu genießen. Mir einen Tee zu kochen und ein gutes Buch zu lesen. Die Kräfte wieder aufzutanken. um mit dem kommenden Stress umzugehen.

Denn es gibt auch ein Gegenstück zum FOMO-Drachen. Und der besteht darin, mit sich allein glücklich zu sein, ohne sich mit anderen zu vergleichen.

The Joy of missing out oder auch Die Rebecca machen.

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