Story Time Part 9

Organabstoßung.

Das klingt jetzt gleich wieder so suuuper dramatisch. Ist es eigentlich auch. Der Körper, das heißt, das Immunsystem, identifiziert das neue Organ als Fremdkörper und greift ihn an, das einzige Ziel: Zerstörung. 

An und für sich ist das auch nicht wirklich falsch, immerhin hat das Immunsystem genau diese Aufgabe. Normalerweise handelt es sich bei den Fremdkörpern allerdings in der Regel um Viren, z.B. Schnupfen. Da ist man dann froh, wenn das Immunsystem die Biester alle abmurkst und man endlich wieder Luft bekommt. 

Blöd nur, dass das Immunsystem nicht zwischen einer Grippe und einem lebenswichtigen frisch transplantierten Organ unterscheiden kann. 

Eigentlich hatte ich dann aber doch Glück im Unglück: ich kam direkt wieder in der Klinik an und wurde auch zeitnah untersucht und behandelt. Das heißt, eigentlich wurde erst einmal eine Leberbiopsie gemacht. Damals wurde ich dafür noch mit Drogen ausgeknockt, heute läuft das alles anders ab. Darüber hab ich hier schonmal geschrieben:  Aus dem Krankenbett

Bei der Untersuchung des Gewebes fand man schnell heraus, woran es lag und konnte auch genauso schnell handeln. Und zwar mit einer Cortison-Stoßtherapie. 

Ach ja, mein hassgeliebtes Cortison. 

Cortison ist sowieso so eine Sache, ich habe letztes Jahr auch wieder eine Stoßtherapie mit Tabletten bekommen, wie genau das war, könnt ihr hier nachlesen. 

Das Cortison hat mir einen stechenden Schmerz in den Beinen verursacht, sodass ich wieder nur im Krankenbett liegen konnte. Ich war ständig müde, mein Gesicht ist aufgeschwommen und ich war so aggressiv und emotional wie noch nie zuvor. Ach ja, das war noch schön vor der Pubertät. Und vor dem Erwachsenendasein. 

Die Tage zogen sich jetzt noch länger als vorher und ich wollte nur noch nach Hause. 

Schon mal vom Krankenhaus-Koller gehört? Ohja, den gibt es. Den hatte ich. Und wie. 

Die Ärzte waren nicht in heller Panik (aber auch nicht begeistert) von der Situation, sie vermuteten, dass meine Medikamente nicht zu mir passen. Es gibt, wie im vorherige Teil erklärt, unterschiedliche Wirkstoffe und die Dosierung muss auch angepasst werden, je nachdem wie sich Organ und Körper miteinander verstehen. Es gibt Leute, die nur sehr wenig Immunsuppression brauchen und Leute, die sehr viel brauchen. Das kann sich auch im Laufe des Lebens durch Veränderungen im Körper, wie viel Stress oder Hormonschwankungen oder so verändern. 

Irgendwann konnte ich dann endlich, endlich wieder gehen, weil die Abstoßung abgeklungen war. Der nächste Kontrolltermin war trotz allem nicht weit entfernt und ich musste sehr häufig und regelmäßig, zu Beginn alle zwei Wochen zur Blutkontrolle beim Hausarzt. Mir fällt grad mal wieder auf, wie unglaublich viel meine Mutter damals leisten musste, mich zu all diesen Untersuchungen zu bringen und generell während dieser Zeit immer auf mich eingehen zu können. Damals war es für mich fast selbstverständlich. Ich brauchte Hilfe und natürlich war Mama da. Was das für sie bedeutet hat, wurde mir erst viel später klar. Danke Mama. Für alles.