11/12

Meine vorletzte Woche hier und wieder nichts erlebt. Auch schön. Außerdem hab ich ja immer was zu erzählen! Und zwar noch was zu dem Kongress. Der bestand ja nicht nur aus den 10 Minuten, in denen ich da gestanden und geredet habe. Zumindest nicht ganz. Immerhin habe ich auch bei anderen Vorträgen zugehört.

Was ich toll fand, ist dass mich Christian zum Kongress begleiten konnte und das aus vielen Gründen. Der erste und wichtigste war, dass wir uns so noch nicht verabschieden mussten. Denn er hatte zuvor einige Tage bei mir in Frankreich verbracht. Der zweite war, dass ich in als Unterstützung an meiner Seite hatte.

Der nächste Grund zeigte sich besonders am Abend beim „gemütlichen Zusammensein“. Ich war mit Abstand die Jüngste und fühlte mich etwas fehl am Platz. Alles studierte Leute um mich drumrum und ich mittendrin. Mir ist erst später wieder eingefallen, dass ich ja inzwischen auch studiert habe. Geholfen hat das nicht so viel. Ich war eben doch eine Patientin unter Ärzten und was noch viel verrückter war, einige der Ärzte waren meine Ärzte!

Dass Christian bei mir war, hat mich beruhigt. Zum Glück war Meike auch da und hat sich wie immer gut um mich gekümmert. Ach meine liebe Meike. So so lange schon will ich sie hier mal vorstellen und erzählen wie wichtig sie für mich war und immer noch ist, aber das hier ist nicht der richtige Platz dafür. Sagen wir so: Sie ist die gute Seele der Klinik und die Person, an die ich mich immer wenden kann, wenn ich eine Frage habe.

Später an dem Abend wurde es entspannter, ich kam mit dem Arzt/Veranstalter/Organisator ins Gespräch, der mich zu dem Kongress eingeladen hatte und er ist wirklich super nett! Irgendwann kam einer meiner Ärzte auf mich zu und wollte sich mit mir brainstormen, wie man mehr Jugendliche für Vereine, die Organspende unterstützen, mobilisieren kann und auf einmal war da noch ein anderer Arzt, der mich morgen bei der Rede vorstellen würde und mich „schon aus dem Internet kannte“, weil er meinen gesamten Blog gelesen hatte. Solche Situation sind für mich immer total krass. Dass es Leute gibt, die das machen, vergesse ich manchmal.

Dann waren mit einem Mal alle wieder weg und ich wieder die Normalo, als die ich mich fühle und schließlich sind wir mit dem Taxi wieder zurück ins Hotel gefahren.

Das eigentlich sonderbarste und gleichzeitig schönste ist aber danach passiert. Denn auf dem Kongress habe ich nach vielen Jahren wieder „meinen“ Professor getroffen, der mich damals bei meiner ersten Transplantation betreut hatte. Ohne ihn wäre vielleicht nichts von alldem passiert. Eine verrückte Vorstellung.

Wir waren im gleichen Hotel untergebracht, teilten uns das Taxi und weil es noch nicht so spät war, haben wir noch was an der Bar getrunken.

Wenn mir vor 10 Jahren jemand von dieser Situation erzählt hätte, hätte ich keine Worte dafür gehabt. Ich hätte nicht geglaubt, wie viel ich in den 10 Jahren erleben würde. Wie viele schwere Jahre noch vor mir liegen würden. Aber ich wäre glücklich gewesen zu wissen, dass alles gut wird und ich 10 Jahre später mit einem (alkoholfreien) Bier zusammen mit dem Mann, der mich geheilt hat und dem Mann, den ich liebe, anstoßen und sagen würde: „Auf Herbert!“