Sarah. Oder: Wann sage ich, dass ich transplantiert bin?

Eine Frage, die sich mir bei einer neuen Bekanntschaft immer stellt, ist: Soll ich sagen, dass ich transplantiert bin? Und wenn ja, wann? Soll ich warten, bis mir jemand etwas alkoholisches zu trinken anbietet? Oder jemand fragt, wie es kommt, dass ich mich für Organspende einsetze?

Das neue Shirt in meinem Schrank, hilft mir dabei jetzt ungemein, jede*r kann direkt darauf lesen: „recycled liver inside“. Was für ein Eisbrecher!

Aber Spaß beiseite, ich liebe dieses Shirt wirklich, aus ganz verschiedenen Gründen. Der wichtigste davon ist Sarah, die Person, die hinter diesem Shirt steckt. Sarah ist eine große Inspiration für mich. Nicht, wegen der vielen Hindernisse, die sie schon überwinden musste, nicht wegen ihrer Krankheitsgeschichte.

Nicht, dass diese nicht den allergrößten Respekt verdient.

Sarah und ihre Schwester Miriam sind an Mukoviszidose erkrankt. Von Kindheit an ist die Krankheit fester Bestandteil ihres Lebens. Nach einer schweren Infektion verstirbt Miriam und plötzlich ist Sarah mit ihrer Krankheit allein. Ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert sich über die Jahre immer weiter. Im Jahr 2019 hat Sarah das große Glück, eine neue Lunge transplantiert zu bekommen, doch das Glück währt nur knapp ein Jahr. Als Sarah im April 2020 wegen eines akuten Darmverschlusses operiert werden muss, kam der Schock: Krebs. Mehrere Chemos steht sie durch, doch das Lymphom wird nicht kleiner. Schließlich wird endlich etwas gefunden, das hilft, es sind gespendete T-Zellen. Nun muss Sarah regelmäßige Infusionen in der Klinik bekommen. Ganz nebenbei wird die Welt von Corona in Atem gehalten und Sarah als besonders gefährdete Person wird aus ihrem „normalen“ Leben rauskatapultiert.

Sarah vor und nach der Transplantation (Quelle: Instagram @pinguinkuh)

Aber all das ist es nicht, was mich inspiriert. Wenn zu mir jemand sagt, wie inspirierend mein Leben mit Krankheit und Transplantationen und meine daraus resultierende Geschichte ist, denke ich meist: Okay, danke, aber ich habs mir ja auch nicht ausgesucht und hab einfach nur weitergemacht so gut ich konnte. Das ist eigentlich keine Leistung.

Aber Sarah hat etwas, das mich immer wieder fasziniert: Ihren unbrechbaren Optimismus. Ihren Willen. Und ihren Leitspruch „Man sollte immer mit dem Leben rechnen.“

(Quelle: Instagram @pinguinkuh)

Ich weiß, was es heißt, viel durchmachen zu müssen. Ich habe schwere Phasen, in denen ich nicht sagen kann, dass das Leben schön ist. In denen ich den Gedanken nicht loswerde, dass es von nun an nur noch bergab geht oder so schlimm bleibt wie es ist. Wenn man einen Tiefpunkt erreicht, ist es schwer überhaupt weiter zu machen.

Aber das Leben geht meist eigene Wege. Sarah hat nicht nur weiter gemacht, sondern etwas Neues geschaffen. Kurz nach der Krebsdiagnose wurde „Pinguinkuhs Shop“ geboren. Dort verkauft Sarah zusammen mit ihrer besten Freundin Hanna T-Shirts rund um das Thema Organspende und Krebs. Und natürlich Sarahs Lieblingstiere Pinguine. Denn Pinguine fressen Krebstiere.

Aber nicht nur das, der Erlös dieser verkauften Shirts wird an den Verein „Atemspende e.V“ gespendet. Auch Seelentröster-Kuscheltiere für kleine Patienten kann man bei ihr kaufen. Sarah denkt nicht an sich, sondern an andere. Wie kann ich die Situation so drehen, dass aus diesem Schlechten, das mir passiert, etwas Gutes für andere werden kann?

Und wenn das nicht inspirierend ist, weiß ich auch nicht.

Liebe Sarah, dich zu kennen ist so eine Freude.

(Quelle: Instagram @pinguinkuh)

Falls ihr jetzt auch etwas Schönes kaufen und dabei Gutes tun wollt, hier kommt ihr zu Sarahs Shop:

http://www.pinguinkuh-shop.de

Übrigens: Für diesen Beitrag wurde ich weder bezahlt, noch beauftragt noch sonst irgendwas. Das T-Shirt auf meinem Foto habe ich selbst bezahlt und trage es immer wieder mit Stolz. Ich möchte Sarah gern auf diese Weise unterstützen, denn für mich ist das das Mindeste.

Alles Liebe,

Rebecca