Klinikbilder

Das Aufstehen ist der schlimmste Teil des Ganzen. Durch meine Medis habe ich sowieso Schlafstörungen und konnte vor Mitternacht auch nicht einschlafen. Diese Uhrzeit ist die blanke Hölle für mich.

Es ist unweigerlich schön, einen Sonnenaufgang anzusehen, trotzdem ist jede Minute davon anstrengend. Ich bin vom Wochenende noch so kaputt. Kissen und Kuschelpullover den ich meinem Freund geklaut habe dürfen im Auto nicht fehlen. Kurz vor Hamburg (so gegen 6) schlafe ich endlich ein.

Nach einer elendigen Parkplatzsuche haben wir es endlich geschafft und können zur Anmeldung. Frühstück gibt’s nicht, weil das die Werte beeinflussen könnte.

Zum Blutabnehmen komme ich immer ganz schnell, dann sind die Ergebnisse später auch schon da und ich kann meine Medis nehmen. Damit muss ich nämlich warten, bis das Blut abgezapft ist, damit der Medikamentenspiegel in meinem Blut gemessen werden kann.

Neben mir sitzt ein älteres Paar, mit einer ständig genervt seufzenden Frau, die meint, es könne doch nicht sein, dass man hier zwei Stunden warten muss. Eine andere Frau läuft dauernd ins und aus dem Wartezimmer und fragt, wann es endlich weiter geht. Das finde ich ganz schön anstrengend, es dauert halt so lange es dauert und sich aufzuregen ändert nichts.

Schließlich erhält eine der Damen die Info, dass der Professor auf Intensivstation bei einem Patienten ist. Deswegen mache ich es mir mit meinem Buch so bequem wie möglich und warte ab.

Als ich schließlich dran komme, nimmt sich der Professor viel Zeit für mich und ich kann ihn alles fragen, was mir auf der Seele brennt. Beim Ultraschall erklärt er mir alles und ich tue wie immer so, als würde ich etwas auf dem Bildschirm erkennen.

Schließlich sagt er mir, dass ich sehr stolz sein kann und ich mich wirklich gut mache. Das ist so ziemlich das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe (sorry Christian), denn er hat miterlebt, wie schlimm es schon um mich stand, was ich alles durch machen musste und wie ich gekämpft habe. So gut, wie alles jetzt ist, sagt er, da würde es auch reichen, wenn ich im Dezember mit Papa und Onkel wieder komme.

Doch in diesem Moment kommen meine Werte und einer davon ist bedrohlich hoch. Könnte ein Zeichen für einen Virus sein oder daran liegen, dass ich im Januar meine Hepatitis-Impfungen habe auffrischen lassen. In 14 Tagen gibt es Post nach Hause, dann weiß ich mehr. Das ist mal wieder einer der Momente, die pure Panik in mir auslöst, auch wenn der Prof sagt, es sei nichts akutes und ich muss mich nicht fertig machen.

Danach habe ich übrigens Meike wieder gesehen, leider habe ich kein Foto von ihr (GNTM-Anspielung lolololololol), aber es war sehr schön mit ihr zu erzählen, auch wenn ich vor Hunger fast umkam, da ich seit dem Abendbrot nichts mehr zu mir genommen hatte.

Und nach einem sehr leckeren „Mittagessen“, dass mir fast die Zunge weggebrannt hätte, stand der Heimweg an, 500km zurück bis nach Leipzig. Ich konnte schon zu diesem Zeitpunkt vor Müdigkeit kaum noch geradeaus gucken.

Eine halbe Stunde dösen, ja dann war’s auch wieder vorbei. Aber immerhin eine halbe Stunde. Meine Mutter kann das nicht von sich behaupten und sie ist immerhin auch seit drei Uhr wach.

Ich weiß nicht, ob ich jemals erwachsen genug sein werde, um das allein zu machen. Als ich letztes Jahr stationär in der Klinik war, bin ich mit dem Zug gefahren, durch den Regen gelaufen, hab im Krankenhauskeller geschlafen und meinen damals-noch-nicht-Freund zugetextet, um mich irgendwie abzulenken (noch mal sorry Christian).

Schließlich machen wir noch mal einen Zwischenstopp, um Nervennahrung zu holen und ich Klemme mich hinters Steuer, damit meine Mutter sich ein wenig ausruhen kann. Allerdings sind meine Fahrkünste durch die Müdigkeit am Ende wirklich bescheiden und ich bin dankbar, als wir gegen halb 10 endlich in Leipzig sind. Meine Mutter verabschiedet sich und fährt tatsächlich noch mal zwei Stunden nach Hause, weil – und jetzt kommt’s – sie am Morgen einen Arzttermin hat.

Ich krabbele nur noch ins Bett zur Katze und versuche irgendwie runter zu kommen. Denn morgen um 5 heißt es wieder: Aufstehen, ab ins Krankenhaus! Diesmal dann als Mitarbeiterin statt als Patientin.